Warum heißt die Schultüte auch Zuckertüte?

Schultüte

Fast jeder hat sie bereits einmal in den Händen gehalten. Und jeder erinnert sich gerne an den magischen Moment aus längst vergangenen Kindertagen zurück, an dem man stolz wie Bolle die riesige Schultüte im Arm gehalten hat. Jetzt hieß es, dem Kindergartendasein „Lebewohl“ zu sagen – und dabei nicht die kindshohe, prall mit Süßigkeiten gefüllte Tüte durch die Hände rutschen zu lassen. Nun also beginnt der Ernst des Lebens. Denn wenn dieses konisch geformte Schokoladen-Silo eines verdeutlicht, dann dass man ab heute zu den Großen gehört – nämlich zu den Schulkindern. Aber warum verschenken wir eigentlich Schultüten am ersten Schultag und woher kommt dieser Brauch?

Die süße Geschichte von der Schultüte

Um unsere Neugier zu stillen, begeben wir uns auf eine kleine Forschungsexpedition in die Vergangenheit. Erster Halt: 19. Jahrhundert, mitten hinein ins ländliche Mitteldeutschland! Denn aus dieser Zeit und von dort stammen die ersten Überlieferungen über die Existenz der Schultüte. Frühe historische Nachweise lassen sich vor allem im östlichen Teil Mitteldeutschlands finden. Dort diente den Schulkindern besonders in Sachsen und Thüringen eine kleine, mit süßen Leckereien gefüllte Papiertüte als Wegzehrung für die damals oft langen Schulwege. In den ostdeutschen Regionen bezeichnete man die süßen Wegrationen deswegen auch als „Zuckertüten“. Erst etwas später eroberte der Brauch auch die Herzen der Kinder aus dem Süden und Westen Deutschlands.

Eroberungsfeldzug der süßen Art

Zum Siegeszug der Schultüte in Deutschland haben vor allem Erzählungen und Geschichten beigetragen. So wie zum Beispiel das 1852 in Dresden erschienene Bilderbuch „Zuckertütenbuch für alle Kinder, die zum ersten Mal in die Schule gehen“. Oder die Geschichte über einen Lehrer, in dessen Keller ein Baum voller Zuckertüten wächst, und wenn diese eine gewisse Größe erreicht haben, sind sie reif für die Ernte und für die Verteilung an die Schulanfänger. Diese Geschichten waren es, die den kleinen Süßwarenladen-to-go immer mehr als süßes Starterpaket für Schulanfänger ins Gespräch und in die Köpfe der Menschen brachten.

Auf die „inneren Werte“ kommt es an

Selbstredend kann aus Sicht der Kinder die Schultüte gar nicht groß genug sein. Im Handel ist der Zuckerhut zum Einschulungstag in einer Größe bis zu 85 cm erhältlich. Bei einer durchschnittlich gemessenen Größe eines 6-Jährigen von circa 120 cm beträgt dies immerhin stattliche 70% der Körpergröße. Für Kinder vermutlich gerade einmal „angemessen“. Auch die Außengestaltung der Schultüte spielt für Kinder heutzutage keine unwichtige Rolle mehr. Man erhält Schultüten heutzutage in den unterschiedlichsten Designs – von klassisch bedruckt mit den üblichen Blumen-, Karo- und Kindermotiven bis hin zu einem lässigen Fantasyfiguren- und Superhelden-Look. Da kann es dann schon einmal vorkommen, dass ein angehender ABC-Schütze trotz haufenweise Naschwerk in seiner Tüte den Kopf etwas hängen lässt, weil statt Batman ein Bärchen die Tütenoberfläche ziert.

Aber natürlich zählen die inneren Werte immer mehr als reine Äußerlichkeiten. Oder anders formuliert: Hauptsache, die Füllung stimmt! Denn auf die kommt es schließlich an. Doch so war es nicht immer: Zu Beginn der Schultüten-Zeit hatte das Süße im Inneren nur symbolischen Charakter. Meist waren die Tüten bis zum Rand mit Holzwolle, Zeitungspapier oder Stroh gefüllt und lediglich ganz obenauf waren einige Kekse ausgelegt. Erst nach und nach nahm das Süße im Inneren immer mehr an Volumen zu und die „Zuckertüte“ von damals machte ihrem Namen alle Ehre.

Über Nützliches und Notwendiges

Mit der Namensänderung zu „Schultüte“ rückten dann außer Süßem auch noch andere Geschenkideen in den Vordergrund: Vor allem nützliche Geschenke für Schulanfänger waren nun gefragt, wie zum Beispiel ein Federmäppchen, Stifte, ein Füller und Schulhefte. Nützlich, aber auch notwendig? Die ABC-Schützen würden das eher unter Vorbehalt bestätigen. Echte Freude zaubert man den kleinen Lernanfängern als moderner Erziehungs- und Bildungsberechtigter auf alle Fälle eher mit schulfremden Beigaben ins Gesicht. Hoch im Kurs: Computerspiele für die Playstation, Star-Trek-Figuren, Batman-Radiowecker oder Tattoos zum Aufkleben. Was auch immer im Bauch der Schultüte versteckt ist – ob süß, ob sauer, ob nützlich oder notwendig: Eine Überraschung wird es immer geben und auch das stolze Leuchten der Kinderaugen wird wie damals das gleiche sein.

  

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